Jabali: „Wir können uns die Infineon-Erweiterung nicht leisten“

 


Gemeinderat Sascha Jabali spricht sich für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen und somit gegen die angekündigte Großerweiterung des Villacher Stadortes der „Infineon Technologie AG“ aus. Am 18.05.2018 wurde in einer Pressekonferenz in Wien verlautbart, dass die „Infineon Technologie AG“ eine Großinvestition am Villacher Standort plant. Was darauf folgte waren unzählige Jubelmeldungen sowie in vorauseilendem Gehorsam getroffene Zusagen seitens der Politik.
Doch die 1,6 Milliarden-Investition bedeutet nicht nur kurzfristige Arbeitsplätze, sondern auch die langfristige Zerstörung unserer Lebensgrundlagen zugunsten kommerzieller Interessen, die noch viele, uns nachfolgende Generationen betreffen wird. Trotz Warnungen aus mittlerweile nahezu allen Bereichen der Gesellschaft, die auf die dramatische Entwicklung der Bodenversiegelung in Österreich und ihre Folgen für nachkommende Generationen hinweisen, wird in Villach ungebremst und konzeptlos weiter (um-) gewidmet und verbaut.
Vor allem das Gebiet der ehemals bewaldeten Gail-Auen wurde in den letzten Jahren und Jahrzehnten zunehmend gerodet und zubetoniert.
Ist ein Boden erstmal versiegelt dauert es rund 500 Jahre bis wieder eine 2,5 cm tiefe, fruchtbare Schicht entsteht.
Karl Kienzl, Geschäftsführer-Stv. Umweltbundesamt, meint hierzu in einer gemeinsamen Aussendung mit Astrid Rössler (LH-Stv. Salzburg), Konrad Pesendorfer (Generaldirektor Statistik Austria), und Kurt Weinberger (Vorstandsvorsitzender Österreichische Hagelversicherung) beispielsweise:
„Durch das Verbauen von wertvollem Acker- und Grünland insbesondere für Verkehrs-, Industrieund Siedlungszwecke gehen wichtige Bodenfunktionen wie die Speicherung von Wasser und Kohlenstoff verloren, hochwertige Böden stehen als wertvolle Naturräume sowie für die landwirtschaftliche Nutzung nicht mehr zur Verfügung. Der Wegfall von Versickerungsfläche erhöht die Gefahr von Überschwemmung und Hochwasser.“
Unsere Bewegung hat es sich zur Aufgabe gemacht Teil der Lösung zu sein, und nicht die Probleme unserer Zivilisation weiter zu befeuern. Wir bleiben daher bei unserem Standpunkt keinen weiteren Umwidmungen zuzustimmen (und dadurch Bodenversiegelung zu ermöglichen) bis es ein Konzept gibt, welches jene Flächen ausweist und sichert, die wir zB. zur Deckung unseres Nahrungsbedarfs benötigen.
Darüber hinaus halte ich es für unumgänglich bei einem Vorhaben in dieser Dimension jene Menschen, die unseren Lebensraum bewohnen und somit von dem Ausbau betroffen sind, in die Planungen und Entscheidungen einzubinden und nicht wie derzeit vor vollendete Tatsachen zu stellen.
Selbst die anrainende Bevölkerung konnte zwar den Medien entnehmen, dass in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld Großveränderungen geplant sind, wurde aber bislang nicht näher informiert und hatte auch keine Möglichkeit ihre Bedenken zu äußern bzw. bei den Plänen mitzusprechen.
Auch die Mitglieder des Gemeinderates, dem höchsten Organ der Stadtpolitik, wurden erst am
Dienstag, den 03.07.2018 - also rund sieben Wochen nach medialer Bekanntgabe - seitens des Bürgermeisters und Vertretern der „Infineon-Technologies AG“ über die Pläne informiert und das obwohl Bürgermeister Günther Albel in der Stadtzeitung vollmundig von „dem Beginn einer neuen Zeitrechnung“ spricht.
Diese Ankündigung klingt angesichts der geheimen Verhandlungen „im stillen Kämmerlein“ und den offensichtlich vollkommen in Vergessenheit geratenen Begriffen wie Bürgerbeteiligung und Transparenz beinahe bedrohlich.
Die offenkundig zur Schau gestellte Bevorzugung von Konzerninteressen gegenüber den Menschen die hier leben, ist ein Schlag ins Gesicht der Villacher Bevölkerung und ein weiterer Beweis für die
Herrschaft des Geldes in unserer Gesellschaft. Während die Einen den gewöhnlichen Zyklen der bürokratischen Mühlen unterworfen sind, werden für „das große Kapital“ „Task-forces“ ins Leben gerufen, Straßen gebaut und Verfahren beschleunigt.
In einer Zeit, in der wir in Österreich fast täglich von neuen „Wetterkapriolen“, „Unwettern“ und Naturkatastrophen betroffen sind, können wir es uns „nicht leisten“ unseren Lebensraum weiterhin durch Bodenversiegelung langfristig zu zerstören und damit den ohnehin bereits riesigen Rucksack, der uns und nachfolgenden Generationen aufgebürdet wird, noch größer zu machen. Stattdessen schlage ich vor, all die plötzlich frei gewordenen Kräfte, Energien und „task-forces“ dafür zu verwenden uns endlich den großen Herausforderungen unserer Zeit zu stellen und zB. Ernährungssicherheit für die Villacher Bevölkerung herzustellen – also Teil der Lösung zu werden und nicht Teil des Problems zu bleiben."

(Aussendung GR Sascha Jabali, Foto: Höher)

Letzte Änderung am Dienstag, 10 Juli 2018 09:42
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