Die Kärntner Industrie fordert realistische nationale Energie- und Klimaziele, um Versorgungssicherheit nicht zu gefährden

 

Das rund 1.000 Kilometer entfernte Paris steht derzeit in der Industrie als Synonym für eine übers Ziel schießende Umweltpolitik. Was der Bund aus dem nach der französischen Hauptstadt benannten Klimaschutzabkommen als integrierte nationale Klima- und Energiestrategie ableiten will, stößt bei den Industriellen auf Kritik. "Zu viele Verbote, zu wenig Anreize", fasst Alexander Bouvier, Obmann der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Kärnten, im Rahmen eines Kooperationstreffens der Industriesparten der Bundesländer Oberösterreich, Steiermark, Salzburg, Kärnten, Tirol und Vorarlberg, die Kritik zusammen

Lösungen bereits vorhanden

Die Industriesparten der Bundesländerkooperation haben Lösungsansätze erarbeitet und verwirklichen gemeinsame Initiativen und Maßnahmen für eine realistische und wirtschaftsfreundliche Umsetzung der Klima- und Energiestrategie. Bouvier fordert, dass Klimaschutz- und wirtschaftspolitische Ziele "angemessen und ausbalanciert miteinander verknüpft werden", dass Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaftsstandort und Beschäftigung als übergeordnete volkswirtschaftliche Ziele stärker in die Betrachtung mit einbezogen werden.

Auch prognostizierte Entwicklungen, etwa zur vorgesehenen Energieverbrauchsreduktion um 1,5 bis 2 Prozent pro Jahr oder zum erneuerbaren Erzeugungspotenzial in Österreich, stellt Bouvier in Frage: "Diese überzogenen Ziele konterkarieren die positiven Ansätze der Bundesregierung, wie etwa die geplante Reform der Ökostromfinanzierung." Zudem würden viermal mehr Windenergie und zehnmal mehr Photovoltaik-Energie als derzeit nur den Strombezug verteuern und durch die ungleichmäßige Verfügbarkeit das Netz destabilisieren. Bouvier warnt: "Wir würden damit ein System importieren, das in Deutschland bereits an seine wirtschaftlichen und technischen Grenzen stößt."

Infrastruktur ist anfällig

Wie sensibel unser Stromnetz mittlerweile geworden ist zeichnete sich im heurigen Jahr bereits eindrucksvoll ab. Von Jänner bis März 2018 sind aufgrund einer Energieknappheit im europäischen Stromnetz wegen zu geringer Regelleistung im Bereich Kosovo und Serbien alle Uhren, welche für die Zeitmessung die Frequenz im Stromnetz nutzen, ein paar Minuten nachgegangen. Selbst das große europäische Stromnetz konnte die Frequenz über diesen Zeitraum nicht stabil genug halten. Ein weiteres Beispiel sind auch die regelmäßigen Stromengpässe in den Wintermonaten aufgrund der natürlichen Leistungseinbußen bei Photovoltaik. Im Jänner 2017 liefen beispielsweise alle kalorischen Kraftwerke mit Volllast um den Strombedarf abdecken und das Netz stabil halten zu können.

Der Anteil erneuerbarer Energie am Gesamtenergieverbrauch soll laut Regierung bis 2030 auf bis zu 50 Prozent angehoben werden. "Hier ist die Frage angebracht, ob der Anteil der erneuerbaren Energien am Verbrauch mit vernünftigen Mitteln derart rasant angehoben werden kann", meint der WK-Spartenobmann.  "Darüber hinaus ist vorgesehen, zum Beispiel im Sektor des Stromverbrauchs bis 2030 mit erneuerbaren Energiequellen im Inland autark zu sein. Diese bilanzielle Eigenversorgung mit erneuerbarem Strom ist ohne rigorose Verbrauchssenkung nicht erreichbar, würde die Kosten für den nötigen Umbau der Energieinfrastruktur erhöhen sowie den Produktionsstandort und damit Arbeitsplätze gefährden. Dieser Schritt wäre auch sozial unverträglich, weil er ohne einen ökologischen Mehrwert zu schaffen zu volkswirtschaftlichen Mehrkosten führt. Die beiden Energiequellen Sonne und Wind müssen selbstverständlich zur Deckung unseres Energiebedarfs genutzt werden. Zudem würde der vorrangige Ausbau von Sonne und Wind durch die ungleichmäßige und schwer vorhersehbare Verfügbarkeit, bei vorrangigem Ausbau das Netz zunehmend destabilisieren können", ist Bouvier überzeugt.

Keine Wasserkraft ohne Förderung

"Wasserkraftwerke sind dabei langfristig betrachtet die wirtschaftlichste Form der erneuerbaren Stromerzeugung. Neue Wasserkraftwerke sind allerdings im derzeitigen Marktumfeld ohne Förderung wirtschaftlich nur schwer darstellbar. Überzogene Umweltziele gefährden einerseits bestehende Wasserkraftwerke und verhindern andererseits den Neubau. Daher ist auf eine maßvolle Umsetzung der Wasserrahmen-Richtlinien zu achten", so Bouvier.

"Statt mit zukunftsweisenden Strategien das in Österreich vorhandene und international anerkannte Know-how im Bereich der erneuerbaren Energien, der Energieeffizienz und der Umwelttechnologie als Investitions- und Wirtschaftsmotor zu nutzen und so hochqualifizierte neue Arbeitsplätze zu schaffen, wird mit überzogenen Zielvorgaben der heimische Wirtschaftsstandort gefährdet", stellt Bouvier fest.

(WKO/ Foto:KK)

Letzte Änderung am Mittwoch, 04 Juli 2018 08:31
Share this article

MEDIA NEWS

Media News Videos
Der gebürtige Villacher und in Wien lebende Gert
Die Raiffeisenbank Wernberg lud zur feierlichen
20. Jubiläums Bike Week am Faaker See.
Impressionen aus dem Bleistätter Moor am ...
  1. Kärntner Slowtail: Bleistätter Moor
  Das open air Musical "Black-Rider" und "Faust
  Das Open Air Musical Black-Rider machte als ...
  Ein Zusammenschntt der Highlights des 74. ...
  Das Holiday Inn pausierte heuer am Villacher
  Auch heuer wurde wieder die beste Villacher ...
  Der 74. Villacher Kirchtag öffnete seine ...
  Draukuchl die besten Wirte und Spitzenköche ...
  Die Feuerwehr Olypiade zu Gast in Villach. ...
Die Genusskrone hatte leider Wetterpech. Die ...
Seestuben heisst das beliebte Wohlfühlpradies in
Erste Mai Feiern in Villach. Ein Rundblick...
  Das Dormuseum am Kanziniberg wurde feierlich
  Dei jungen Wernberger gratulierten "live" zu
  Die Burarena Finkenstein eröffnete ihr ...
  Die Eröffnung des Faaker Bauernmarktes 2017.
    Schaufenster der Jungen Wirtschaft im ...
Der neue Familienerlebniswanderweg „Woroun auf ...
Am 1. Mai wurde das "Dorfmuseum Finkenstein" am
  Der höchste Feiertag der österreichischen ...
Am Ostermontag fand beim Marterl in Egg, das ...
Die Feuerwehr-Welt zu Gast in Villach: Der ...
Am 22.03 besuchte Innenminister Wolfgang Sobotka
Über 50 Jungunternehmer präsentierten sich mit ...
Der Villacher Faschingsumzug präsentierte sich ...
Michael Koloini produziert seine Torten ...
Der neue Flagshipstore öffnete seine Pforten...
  Gestern lud das Holiday Inn, mit seinem ...
Auch heuer zauberte Thomas Rettl und sein Team ...
Auch heuer war der "Draustädter" Kirchtag das ...
Nach dem Hochamt in der Stadtpfarrkirche erfolgte
Impressionen vom Pucher Kirchtag 2016!
Porsche Villach stellte als Kärnten Premiere den
finest Soul im SOHO...von Motown Motion...
Der Villacher Eishockeygott Michael Grabner ...
Ein unglaubliches Hagelwetter suchte die ...
Schon 10 Jahre her, aber unvergesslich !
Der Villacher Prinzenball 2015.
Top