Einsparungen bei Lehrlingen: Sollen Lehrlinge nur mehr die Hälfte verdienen ?

 

LH Kaiser, LHStv.in Schaunig: 150 Kärntnerinnen und Kärntner werden durch verfehlte Budgetpolitik des Bundes in existenzielle Notlage gebracht und ihrer beruflichen Chancen beraubt

 

Volljährige Lehrlinge in Überbetrieblichen Ausbildungsstätten (ÜBA) sollen laut Kürzungsplänen der Bundesregierung künftig nur mehr knapp die Hälfte verdienen. In Kärnten stehen derzeit 600 ÜBA-Lehrlinge in Ausbildung, 150 junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren sind von den Budgetkürzungen des Bundes direkt betroffen. Ihre Lehrlingsentschädigung soll von monatlich 731,70 Euro auf 316,50 Euro gekürzt werden. Die Einsparungen, die über diese Aktion in Kärnten lukriert werden können, liegen laut AMS-Landesgeschäftsführer Franz Zewell bei rund 750.000 Euro. "Für diesen Betrag darf die Bundesregierung nicht bereit sein, jungen Menschen ihre Perspektive zu nehmen, den Fachkräftemangel zu verstärken und damit der heimischen Wirtschaft zu schaden", fordert Landeshauptmann Peter Kaiser die Bundesregierung auf, derartige Pläne falle zu lassen. Die seinerzeitige Ankündigung, im System und nicht bei den Menschen sparen zu wollen, höre sich angesichts solcher Überlegungen geradezu wie eine Verhöhnung an.

"Das ist eine völlig unverständliche Maßnahme der Bundesregierung - Fachkräfte werden dringend gesucht und genau in diesem Bereich wird gekürzt", so Arbeitsmarkt- und Lehrlingsreferentin LHStv.in Gaby Schaunig. Die Folgen dieser Politik seien leicht zu prognostizieren: Ausstieg aus der Ausbildung, keine abgeschlossene Lehre, langfristig kaum Chancen am Arbeitsmarkt. "Das ist nicht nur gegenüber den Betroffenen unverantwortlich - das ist volkswirtschaftlich für ganz Österreich unverständlich. Bei dem täglich beklagten Fachkräftemangel dort einzusparen, wo Arbeitskräfte ausgebildet werden, ist schlicht nicht nachvollziehbar", so Schaunig.

Die höhere Lehrlingsentschädigung wurde ursprünglich eingeführt, um auch volljährigen Schulabbrechern eine Chance für eine Berufsausbildung zu bieten und die höheren Lebenskosten der jungen Erwachsenen abzudecken. Sie stellt einen wichtigen Anreiz dar, um junge Menschen, die nach dem Pflichtschulabschluss aus verschiedenen Gründen keinen weiteren Ausbildungsweg einschlagen wollten oder konnten, doch noch zu einer Berufsausbildung zu motivieren.

"Die gute Konjunkturlage als Begründung heranzuziehen, ist bei dieser die Lehrlinge betreffenden Maßnahme ebenso falsch wie bei der Einstellung der Aktion 20.000 für ältere Langzeitarbeitslose. Denn einerseits fangen wir in den Überbetrieblichen Ausbildungsstätten junge Menschen auf, die am regulären Lehrstellenmarkt aus verschiedenen Gründen keine Aufnahme finden. Zudem wissen wir, dass das Lehrstellenangebot in der Wirtschaft großen konjunkturellen Schwankungen unterworfen ist. Die Lehrlinge, die von den Betrieben in den vergangenen Jahren wegen der angespannten Konjunkturlage nicht ausgebildet wurden, fehlen heute als Fachkräfte", erläutert Schaunig.

Der Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit lag in Kärnten zuletzt bei 19 Prozent, Tendenz weiter sinkend. Ein Ergebnis der Bemühungen des Landes Kärnten, das jährlich 10,5 Millionen Euro in die Ausbildungspflicht und Ausbildungsgarantie investiert sowie des AMS Kärnten, das 40 Prozent seiner Budgetmittel für die Förderungen von Jugendlichen aufwendet. All diese Bemühungen werden auf Bundesebene nun durch eine kurzsichtige Sparpolitik konterkariert.(LPD, Fotomontage vi2day)

 

Letzte Änderung am Dienstag, 15 Mai 2018 16:04
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