Martin Arnetz im Gespräch - Was er an Kärnten liebt und an Schweden vermisst

Martin Arnetz (38) ist gebürtiger Schwede und lebt seit über zehn Jahren in der Nähe von Villach. Im Interview erzählt der Maintenance Engineer und Vater von zwei Kindern was er an Kärnten liebt, welche Unterschiede es zu Schweden gibt und ob die Klischees über Schweden stimmen.


Wann und warum sind sie nach Kärnten gezogen?
Ich bin 2007 nach Österreich gezogen, da meine Frau Villacherin ist. Wir lebten zuvor ein Jahr in Schweden, doch sie war mehr mit ihrem Land verwurzelt als ich mit meinem.

Wie war es für sie, nach Kärnten zu ziehen? Welche Startschwierigkeiten gab es?
Nach Kärnten zu ziehen war für mich nicht besonders schwer, da ich immer schon gerne neue Länder kennengelernt habe. Die Sprachbarriere war anfangs mühsam, da ich gemerkt habe, dass man mit Englisch nicht überall weiterkommt - ich konnte kein Wort Deutsch. Zuerst musste ich also einen Job finden, dann konnten wir umziehen. Ich absolvierte gleich ein paar Deutschkurse, doch die Sprache lernte ich über die Menschen.

Der erste, wichtige Unterschied war, dass Menschen in Kärnten viel offener sind als in Schweden. Man wird gedrückt und abgebusselt. Man hat das Gefühl, die Türen stehen offen. Ein weiterer großer Unterschied, an den ich mich langsam gewöhnen musste war, dass man sich per Sie anspricht, wenn man nicht gut bekannt ist. Am Anfang habe ich jeden mit Du angeredet, was meiner Frau so manche Schamesröte ins Gesicht getrieben hat.

Weiters sind es natürlich die Berge, die man in Schweden (großteils) nicht so hat und dass man innerhalb von einer halben Stunde in drei verschiedene Länder reisen kann. Das hat mich auch fasziniert. Als Ausländer aus Schweden wird man überall gern gesehen und viel gefragt, da viele Schweden mögen.

Was vermissen sie an an Schweden?
Schweden ist natürlich meine Heimat und die wird man immer vermissen. Ich habe noch Familie dort und Freunde, die ich ab und zu besuche. Manchmal fehlt mir das schwedische Lebensgefühl.

Gibt es Situationen, in denen sie sich über die Österreicher wundern?
Parken: Österreicher können nicht parken (obwohl meine Frau sagt, dass Italiener schlimmer sind). Sie stellen sich irgendwie hin, egal, ob das Auto links oder rechts dann genug Platz hat und bleiben einfach stehen.

Privatisierung: in Schweden ist jeder See öffentlich zugänglich. Bis heute verstehe ich nicht, warum man überall Eintritt zahlen muss. Genau wie im Museum - in Schweden kosten diese Dinge kein Geld.

Schulsystem: die Unterschiede im Schulsystem sind derartig groß, dass man es eigentlich nicht vergleichen kann. Ich wundere mich jeden einzelnen Tag darüber.

Verlässlichkeit: wenn man in Kärnten jemanden trifft, endet das Gespräch immer mit:"Jetzt treffen wir uns aber wirklich einmal auf einen Kaffee!" Jeder der Beteiligten weiß, dass das nie passieren wird, trotzdem macht man etwas aus. Kärntner sind - genauso wie Schweden - sehr höflich, aber manchmal meinen sie es nicht so (lacht).

Behörden: in Schweden gibt es eine einzige Behörde für Alles. Egal, ob man umzieht, jemand geboren wird oder man heiratet. In Österreich muss man für Alles zu verschiedenen Stellen.


Bedienen sie typische Klischees die man von Schweden hat?
Mir ist eigentlich nie kalt. Wenn die Leute hier mit dicker Winterjacke, Schal und Kappe herumlaufen, reicht mir ein dünner Pullover. Ich grille, sobald es mehr als 13 Grad hat - das fällt für mich unter Frühling/Sommer. Wenn es dann richtig Sommer wird hier, sterbe ich fast den Hitzetod.


Werden schwedische Traditionen auch hier in Villach weitergelebt? Gibt es spezielle Traditionen?
Wir feiern auch hier das Luciafest am 13. Dezember, mit typischem Essen. Zu Weihnachten kommt bei uns nicht nur das Christkind, sondern auch der "Tomte", dem wir etwas zu essen vor die Tür stellen. Außerdem wird gereimt, d.h. zu jedem Geschenk wird ein Reim erfunden; auch später beim Essen gibt es viele Trinkreime. Zu Geburtstagen wird immer die schwedische Fahne auf den Tisch gestellt.

Wir feiern auch das Midsomarfest jedes Jahr. Wir essen, was es in Schweden an diesem Tag normalerweise gibt und manchmal haben wir sogar die Blumenkränze im Haar.
Meine beiden Kinder sprechen mit mir schwedisch und es ist auch ganz wichtig, dass sie jeden Sommer nach Schweden fahren, um ihr andere Heimat gut zu kennen.

Letzte Änderung am Mittwoch, 17 Januar 2018 07:13
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